Politik gegen die Armen: Scharfe Kritik des Paritätischen an Koalitionsbeschluss zu den Hartz IV-Regelsätzen
Pressemeldung vom 26.09.2010
Als Politik gegen die Armen kritisiert der Paritätische Wohlfahrtsverband die heute bekannt gewordenen Pläne der Bundesregierung, den Regelsatz für Erwachsene lediglich um 5 Euro anzuheben und die Hartz IV-Regelsätze für Kinder unverändert niedrig zu belassen. Es sei ein sozialpolitischer Skandal, wie die Koalition mit statistischen Finessen am Leben der Menschen vorbei regiere. Das von Bundesarbeitsministerin von der Leyen angekündigte Bildungspaket entpuppe sich vor diesem Hintergrund als taktisches Sparpaket.
„Die Regierung betreibt hier ein statistisches Spiel eiskalt an der Wirklichkeit vorbei. Ein solches Vorbeiregieren an der Lebensrealität ist von beispielloser Ignoranz gegenüber den Nöten der Ärmsten in unserem Land“, kritisiert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen. „Der Vorschlag einer Erhöhung des Erwachsenen-Regelsatzes um lediglich 5 Euro ist ein sozialpolitischer Skandal, die Deckelung der Kinderregelsätze auf einem absolut nicht bedarfsgerechten Niveau ist eine armutspolitische Katastrophe. Nach der Streichung des Elterngeldes für Hartz IV-Bezieher wird hier erneut Politik gegen die Armen gemacht“, so Schneider.
Auch das angekündigte Bildungspaket für Kinder und Jugendliche im Hartz IV-Bezug könne den Verdacht nicht ausräumen, dass der Koalition haushaltspolitische Überlegungen wichtiger sind als die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts. „Das Bildungspaket entpuppt sich als taktisches Sparpaket. Statt zu schauen, was Kinder brauchen, versteckt sich die Bundesregierung hinter der Statistik“, so Schneider.
Der Verband kündigte für die nächste Zeit eigene Berechnungen an.
Paritätischer kritisiert Gesundheitsreform als massiven Eingriff in die Architektur des Sozialstaats der Bundesrepublik
Pressemeldung vom 22.09.2010
Als massiven Eingriff in die Architektur des Sozialstaats kritisiert der Paritätische Wohlfahrtsverband die heute im Kabinett verabschiedete Gesundheitsreform. Die Regierungspläne seien unsozial und die Lizenz zum unbegrenzten Abkassieren der Versicherten. Der Verband warnt vor einem Auseinanderbrechen der Gesellschaft und bekräftigt seine Forderung nach der Einführung einer Bürgerversicherung.
„Die Regierungspläne sind die Lizenz zum unbegrenzten Abkassieren der Versicherten. Rentnern und einkommensschwachen Versicherten drohen drastische Beitragssteigerungen", so der Vorsitzende des Paritätischen Dr. med. Eberhard Jüttner. Die Einführung der Zusatzbeiträge ohne Obergrenze sei der letzte Beweis dafür, dass die Bundesregierung notwendige strukturelle Reformen im Gesundheitswesen scheue. „Die Politik doktert an den Symptomen und ignoriert die Ursachen der chronischen Unterfinanzierung. Die Folgen tragen die Beitragszahler", kritisiert Jüttner.
„Diese Reform ist einer der massivsten Eingriffe in die Architektur des bundesdeutschen Sozialstaats seit Bestehen der Bundesrepublik. Wer diese Pläne in die Praxis umsetzt, beschleunigt das Auseinanderdriften unserer Gesellschaft“, warnt Jüttner. Insbesondere die Erleichterung eines Wechsels in die Private Krankenversicherung sei ein Schlag ins Gesicht aller chronisch kranken und behinderten Menschen und beschere den gesetzlichen Krankenkassen Verluste in Milliardenhöhe, kritisiert der Verband. Es sei ein Skandal, wie die Bundesregierung Gutverdienende und gesunde Versicherte nahezu dazu drängt, sich aus der Solidargemeinschaft in die Private Krankenversicherung zu flüchten.
Der Paritätische bekräftigt seine Forderung nach der Einführung einer Bürgerversicherung. „Durch die Bürgerversicherung können wir unser Gesundheitssystem zukunftsfest machen und sicherstellen, dass jeder Mensch die medizinische Versorgung erhält, die er braucht. Gesundheit darf in unserem Land nicht zum Luxus werden“, so Jüttner. In dem die Kosten auf breitere Schultern verteilt würden, ließen sich die Beiträge insgesamt deutlich reduzieren, so der Verband.


DHS-Fachkonferenz SUCHT vom 08.-10.11.2010 zum Thema "Der Mensch im Mittelpunkt - erfolgreiche Suchthilfe in Deutschland" in Essen.
Das diesjährige Konferenzthema wird alle Bereiche der Suchthilfe berücksichtigen und das ganze System von der Prävention über die Behandlung, Nachsorge und Selbsthilfe bis zur Forschung darstellen.
Geplantes Programm:
Anmeldungen unter: www.dhs.de
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Alkoholverbrauch je Einwohner an reinem Alkohol
| 1995 | 2000 | 2006 | 2007 | 2008 |
| 11,1 Liter | 10,5 Liter | 10,1 Liter | 9,9 Liter (-2,2 %) | 9,9 Liter (0,0 %) |
Quelle: Gärtner, 2010: eigene Berechnungen
Verbrauch je Einwohner an Bier, Wein, Schaumwein und Spirituosen (Liter) und Veränderung gegenüber dem Vorjahr
| 1995 | 2000 | 2005 | 2007b | 2008a | |
| Bier | 135,9 | 125,5 | 115,3 | 111,7 | 111,1 (-0,6 %) |
| Wein* | 17,4 | 19,0 | 19,9 | 20,6 | 20,7 (+0,5 %) |
| Schaumwein | 6,5 | 4,1 | 3,8 | 3,8 | 3,9 (+2,6 %) |
| Spirituosen** | 5,9 | 5,8 | 5,7 | 5,6 | 5,5 (-1,8 %) |
* Weinkonsum je Einwohner einschl. Wermut- und Kräuterwein, Weinwirtschaftsjahr (01.09. - 31.08.)
** Angaben beinhalten ab 2002 Spirituosen-Mischgetränke umgerechnet auf einen durchschnittlichen Alkoholgehalt von 33 Vol. %
a vorläufig, Schätzung
b revidierte Schätzung
Quelle: Berechnungen des ifo Instituts, unveröffentlichte Datenquelle
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Neuer GKV-Leitfaden zur Selbsthilfeförderung
Mehr Transparenz bei der Förderung der Selbsthilfe ist eines der wichtigen Ziele des neuen GKV-Leitfadens. Der Leitfaden legt die Grundsätze für die Förderung der Selbsthilfe durch die Krankenkassen fest und ist ab sofort gültig. Insgesamt soll ein besserer Überblick über die zur Verfügung stehenden und die ausgeschütteten Mittel erreicht werden. Mit der Neuregelung veröffentlichen die Krankenkassen für das Förderjahr 2010 die Höhe bereitstehender Fördermittel und die aus der kassenartenübergreifenden Gemeinschaftsförderung pauschal geförderten Antragssteller an geeigneter Stelle, also z.B. im Internet oder in den Mitgliederzeitschriften. Den GKV-Leitfaden zur Selbsthilfeförderung finden Sie unter.
http://www.dhs.de/makeit/cms/mcs_upload/hds/leitfaden_selbsthilfefoerderung.pdf
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Thema der Woche Sucht-(Aus)-Wege
Irgendwann ist der Spaß vorbei
08.06.2009, Julia Damm WAZ
Die Guttempler bieten Hilfe in der Gruppe. Die setzt auf Freiwilligkeit. Meist
kommen Männer ab 40 zu den Treffen.
Das Problem ist, zuzugeben, dass man ein Problem hat. Lange dauert das oft, weil man nicht sehen will, was die anderen sehen. Erst, wenn der Körper nicht mehr kann, wenn plötzlich Tage im Alkoholnebel verschwunden sind, kommt oft die Einsicht. Das zumindest erlebt Udo Hölzner immer wieder bei den Gruppentreffen der Guttempler. Und er erlebte es selbst.
Udo Hölzner sagt es gerade heraus und deutlich: „Ich habe früher ja selber gesoffen.” Offensiv geht er damit um. Er selbst nennt es „ehrlich”, wenn er zugibt, „dass ich mit Alkohol nicht umgehen kann”. Dass aus einem Glas schnell unzählige wurden. Dass früher feiern bedeutete betrunken zu sein. Dass vieles besser erschien, wenn man es verschwommen wahrnahm. Doch: „Irgendwann ist der Spaß vorbei.” Aber, wie heißt es noch: Man kann auch ohne Spaß Alkohol haben.
Heute ist Udo Hölzner trocken und Sprecher der Mülheimer Guttempler, weil er „offen darüber redet, was viele Alkoholiker runterschweigen. Obwohl. Heute sagt man ja Alkoholkranker.” Und eigentlich ist ihm das sehr recht, weil Alkoholsucht eine Krankheit ist: „eine psychische Erkrankung”. Die trifft laut Klischee aber vor allem „Penner und Asoziale”. Dabei, weiß der Guttempler, „tauchen Akademiker in der Statistik ganz oben auf”.
Dem Bild des Säufers, ob nun studiert oder nicht, will aber generell keiner entsprechen, zeichnet sich das doch fehlende Selbstbeherrschung aus, durch Maßlosigkeit – immerhin trinken die meisten und nicht alle zu viel. Eben das ist für Udo Hölzner Teil des Problems, denn Alkohol ist Alltag: „In den 60ern gehörte zu jedem Schrank eine Schrankbar.” Diese Möbelausstattung ist heute aus der Mode gekommen, doch das Grundsätzliche blieb: „Wenn man jemanden besucht, ist der erste Satz ,Was willst du trinken?' und die Leute meinen nicht Cola oder Kaffee.” Wann aus Trinken Saufen wird, mag Udo Hölzner nicht pauschalisieren: „Bei riskantem Alkoholkonsum geht es um die Frage, was kann die Leber pro Tag abbauen. Da sind zwei Flaschen Bier pro Tag schon zu viel.” Rund zehn Prozent der Deutschen, so die statistischen Schätzungen, haben einen kritischen Alkoholkonsum. Dennoch mache selten der Körper schlapp: „Viele landen in der Psychiatrie.” Weil Alkohol Gehirn und Nerven angreift, weil Abhängigkeit nicht rein körperlich, sondern auch psychisch ist. „Wenn ich nicht zwei oder drei Tage ohne Alkohol sein kann oder wenn ich mich besser fühle, wenn ich einen Schluck Alkohol trinke”, dann ist das ein Zeichen für Sucht.
Doch die muss man auch richtig deuten wollen. „Wenn ich mich nicht verändern will, bringt eine Therapie nichts”, sagt Udo Hölzner und erklärt damit, warum die Guttempler auf Freiwilligkeit setzen. Rund 30 bis 40 Menschen kommen zu den Gesprächsabenden, zwei Drittel von ihnen sind Männer, die meisten über 40. Die Guttempler ist eine von 26 Suchtgruppen in Sachen Alkohol, die es in Mülheim gibt. Insgesamt, glaubt Hölzner, nutzen rund 200 Mülheimer die verschiedenen Angebote. „Wir sprechen über Probleme”, erklärt Udo Hölzner das Guttempler-Konzept. „Anders als bei anderen Gruppen geht es bei uns nicht so anonym zu, wir kennen mehr als nur den Vornamen. Aber natürlich tragen wir nichts nach außen. Und auch Partner und Angehörige sind willkommen.” Dabei sind es gerade die, die Alkoholkranke ausschließen möchten, weil sie sich schämen. „Viele sagen, dass die Frau oder auch der Chef nichts erfahren soll. Aber... meistens wissen die das eh schon.” Denn die anderen sehen, was man selbst lieber übersieht.
Treffen und Telefonaktion
Die Mülheimer Guttempler treffen sich immer montags ab 18 Uhr im DRK-Seniorenheim, Prinzeß-Luise-Straße 115.
Nähere Informationen bietet zudem die Internetseite: www.guttempler-muelheim.de.
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Wenn Erfolg süchtig macht - Lifestyle-Drogen im Beruf
"Viele Beschäftigte stehen unter erheblichem Druck im Beruf, ob aus falschem Ehrgeiz oder überzogenen Erwartungen von Vorgesetzten. Der Weg zum Doping ist oft nicht weit und sorgt zunächst für schnelle Abhilfe. Und wer scheinbar unbegrenzt arbeiten kann und auch nach einem 14 Stunden Tag noch hochkreative Ergebnisse liefert, der gewöhnt sich schnell daran", erklärt Dr. Hubert Buschmann, Chefarzt der AHG Klinik Tönisstein in Bad Neuenahr. Die Gefahr liegt in dem extrem hohen Suchtpotential und den damit verbundenen negativen Auswirkungen der Substanzen. Die zunächst hohe Wirksamkeit geht mit einer ebenso schnellen Gewöhnung einher: Menge und Häufigkeit der Einnahme müssen rasch steigen, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Dies verursacht handfesten Hirnschädigungen und Leistungsabfall, was die Intensität der Einnahme weiter beschleunigt. "Diese Spirale führt schon nach relativ kurzer Zeit zur Sucht und muss dann oft in monatelangen Therapien behandelt werden, bevor der Patient sein Leben wieder ohne "Doping" meistern kann", so Cora Kepka, leitende Psychologin der AHG Klinik Tönisstein abschließend.
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Alkohol inzwischen das zweithöchste Gesundheitsrisiko
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichte kürzlich einen Bericht über weltweite Gesundheitsrisiken. In dem „Global Health Risks“-Report wird bewertet, welche Krankheiten und Risiken für den Verlust beschwerdefreier Lebensjahre verantwortlich sind. Während Alkoholkonsum in hoch entwickelten Ländern (mit hohem Pro-Kopf-Einkommen) bislang stets auf dem dritten Rang zu finden war, belegt er nun Platz zwei - hinter dem alten und neuen Spitzenreiter Tabakkonsum. Im Klartext heißt das: Alkoholkonsum stellt nach Tabakkonsum das zweithöchste Risiko dar, zu erkranken und frühzeitig zu sterben.
Der Bericht der WHO ist - in englischer Sprache - unter der Internetadresse: http://www.who.int/healthinfo/global_burden_disease/GlobalHealthRisks_report_full.pdf
abrufbar.
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Die Deutsche Hauptstelle gegen Suchtgefahren geht von etwa 180 000 behandlungsbedürftigen Glücksspielern aus. "Bis zu 500 000 Menschen in Deutschland sind sexsüchtig, etwa drei Viertel davon sind Männer", meint der auf Sexsucht spezialisierte Psychotherapeut Kornelius Roth. Frauen sind besonders von Essstörungen und Kaufsucht betroffen: An Magersucht leiden mindestens 100 000, an Bulimie (Ess-Brech-Sucht) etwa 600 000 Frauen.
Nach einer Untersuchung der Universität Hohenheim gelten 800 000 Deutsche als kaufsüchtig, 60 Prozent davon sind Frauen. Zu den anderen Verhaltenssüchten gibt es bisher keine Zahlen. Aber die Selbsthilfegruppen werden von Betroffenen geradezu überrannt, immer neue Internetforen werden gegründet. "Wir bekommen jährlich mehr Anfragen", sagt auch Christoph Teich, der seit 30 Jahren als Suchttherapeut beim Münchner Beratungs- und Therapiezentrum Tal 19 arbeitet. "Süchtige richten ihren gesamten Tagesablauf, ihr ganzes Leben nach der Sucht aus - und können gar nicht anders", sagt der Psychologe Stefan Poppelreuter. Genau in diesem Zwang bestehe der Unterschied zwischen einem engagierten Mitarbeiter und einem Workaholic, zwischen einem motivierten Sportler und einem Sportsüchtigen.
Wer seinem Hobby, seiner Ernährung oder seiner Arbeit sehr viel Zeit widmet, ist nicht gleich abhängig. "Das ist höchstens ein Alarmzeichen", so Poppelreuter, der die Entwicklung der Süchte auch in seinem Buch "Nicht nur Drogen machen süchtig" (Beltz Verlag) beschreibt. "Aber wer nicht mehr frei entscheiden kann, die Kontrolle über sein Verhalten verliert und die Dosis immer weiter erhöhen muss, ist höchstwahrscheinlich süchtig."

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Grundsatzreferate im Plenum
"Suchthilfe der Zukunft - Vision 2025"
Prof. Dr. Stefan Sell, Fachhochschule Koblenz
Sabine Dückers, Gesundheitsamt der Stadt Düsseldorf
Wünsche 2015
a) Vernetzung mit der Primärversorung
Prof. Dr. Ulrich John
Universität Greifswald
b) Beratungsstelle der Zukunft
Karin Wiggenhauser
Condrobs e.V., München
c) Soziale und berufliche Teilhabe
Dr. Theo Wessel, Gesamtverband für Suchtkrankenhilfe, Berlin
Forderungen 2011
Dr. Heribert Fleischmann
Bezirkskrankenhaus Wöllershof, Neustadt/WN